Kartoffelernte 2026: Ernte um ein Viertel gesunken – Preise steigen deutlich

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Die Kartoffelernte in Deutschland ist 2026 deutlich kleiner ausgefallen als im Vorjahr – mit Folgen für den gesamten Markt, vom Hof bis zum Einkaufsregal. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) liegt die Erntemenge bei voraussichtlich 10,4 Millionen Tonnen. Das sind 24,8 Prozent weniger als 2025, als die deutschen Kartoffelanbauer noch 13,9 Millionen Tonnen ernteten. Zeitgleich verteuerten sich Speisekartoffeln für Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar: Im September 2026 lagen die Preise im Einzelhandel 11,3 Prozent über dem Vorjahresmonat, wie Destatis mitteilt.

Zwei Faktoren treffen zusammen: eine kleinere Anbaufläche und geringere Erträge je Hektar. Die Anbaufläche schrumpfte um 11,1 Prozent auf 268.300 Hektar; im Jahr 2025 waren es noch 301.800 Hektar. Noch deutlicher fällt der Rückgang beim Hektarertrag aus: Für 2026 wird mit 38,9 Tonnen je Hektar gerechnet, nach 46,0 Tonnen im Vorjahr – ein Minus von 15,4 Prozent. Als Hauptgrund dafür nennt das Statistische Bundesamt die extreme Hitze und Trockenheit des vergangenen Sommers, die vielerorts die Knollenbildung beeinträchtigte.

Erzeugerpreise steigen kräftig

Auf der ersten Wirtschaftsstufe, also bei den Verkaufspreisen der Landwirtschaftsbetriebe, ist die Entwicklung besonders ausgeprägt: Die Erzeugerpreise von Speisekartoffeln lagen im August 2026 um 61,5 Prozent über dem Vorjahresmonat. Nach Angaben von Destatis war das der stärkste Anstieg der Erzeugerpreise von Kartoffeln im Vergleich mit dem Vorjahresmonat seit drei Jahren – im August 2023 hatte das Plus noch 114,6 Prozent gegenüber August 2022 betragen. Der Anstieg fällt umso mehr ins Gewicht, als die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte insgesamt im selben Monat um 7,0 Prozent gegenüber dem August 2025 sanken. Lediglich bei pflanzlichen Produkten stiegen die Erzeugerpreise im Schnitt um 12,3 Prozent.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher fällt die Entwicklung zweigeteilt aus: Frische Speisekartoffeln wurden wie erwähnt um 11,3 Prozent teurer. Verarbeitete Kartoffelprodukte wie tiefgefrorene Pommes frites oder Ähnliches hingegen lagen im September 2026 um 4,7 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im September 2026 um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Nahrungsmittelpreise insgesamt lediglich um 0,4 Prozent. Der Preisindex der Erzeugerpreise misst dabei die Entwicklung der Verkaufspreise der Landwirtschaft ohne Umsatzsteuer auf der ersten Wirtschaftsstufe, der Verbraucherpreisindex die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen.

Deutschland bleibt Kartoffel-Exportland

Trotz des Ernteausfalls besteht keine Versorgungslücke: Deutschland erzeugt deutlich mehr Kartoffeln, als im Inland benötigt werden. Der Selbstversorgungsgrad lag nach vorläufigen Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Wirtschaftsjahr 2024/25 bei 145 Prozent. Ein großer Teil der Ernte und der verarbeiteten Kartoffelprodukte geht damit in den Export. Die kleinere Ernte dürfte sich deshalb vor allem in der Preisentwicklung niederschlagen, weniger in der Verfügbarkeit im heimischen Handel.

Für die Anbaubetriebe ist die Lage zwiespältig: Wer trotz Trockenheit marktfähige Mengen ernten konnte, profitiert von den kräftig gestiegenen Erzeugerpreisen. Betriebe mit erheblichen Ertragsausfällen stehen dagegen vor geringeren Erlösen bei unverändert hohen Produktionskosten. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Lagersituation und die Entwicklung des Verarbeitungsmarkts in den kommenden Monaten darüber entscheiden, ob sich das Preisniveau hält. Auch die Qualität der eingelagerten Ware spielt nach Angaben der Landwirtschaftskammern traditionell eine Rolle dafür, wie lange der Handel mit heimischer Ware arbeiten kann.

Der Kartoffelanbau in Deutschland konzentriert sich auf wenige Regionen. Besonders bedeutend sind die Anbaugebiete in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen, wo ein erheblicher Teil der bundesweiten Anbaufläche liegt. Gerade in diesen Regionen hatten die anhaltenden Trockenperioden der vergangenen Jahre wiederholt die Erträge belastet, wie die Ernteberichte der vergangenen Saisons zeigten. Bereits die Getreideernte 2026 war laut Destatis um 7,3 Prozent auf 37,4 Millionen Tonnen gesunken – die Trockenheit des Sommers hinterließ also über die Kartoffel hinaus Spuren im Ackerbau.

Für die Lagerung und Vermarktung der kleineren Ernte wird in der Branche mit einer angespannten, aber geordneten Saison gerechnet: Die Lager der Betriebe waren vor der neuen Ernte weitgehend geleert, die Nachfrage nach festkochenden und mehligkochenden Speisekartoffeln bleibt erfahrungsgemäß über den Winter stabil. Ob das derzeit hohe Preisniveau bis in die Frühjahrsvermarktung hinein trägt, hängt vor allem davon ab, wie viele Knollen lagerfähiger Qualität die Betriebe einfahren konnten. Auch der Export in die Nachbarländer dürfte bei einem Selbstversorgungsgrad von 145 Prozent weiterhin eine wichtige Rolle spielen – die kleinere Ernte in Deutschland trifft dort auf ähnliche Witterungsbedingungen in anderen Anbauregionen Europas.

Blick auf das Anbaujahr 2027

Die endgültigen Erntezahlen für 2026 liegen noch nicht vor; Destatis weist darauf hin, dass es sich um vorläufige Ergebnisse aus der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung sowie der Erhebung der Bodennutzung landwirtschaftlicher Betriebe handelt. Ob die Anbaufläche im kommenden Jahr wieder zunimmt, hängt Brancheneinschätzungen zufolge maßgeblich von der Preisentwicklung ab: Hohe Erzeugerpreise sind erfahrungsgemäß ein Signal für Betriebe, die Anbaufläche auszuweiten. Zugleich hat der vergangene Sommer gezeigt, wie stark die Erträge inzwischen vom Witterungsverlauf abhängen – ein Aspekt, der bei der Fruchtfolge- und Sortenwahl der Betriebe zunehmend an Bedeutung gewinnen dürfte. Dazu gehört auch die Frage, ob trockenheitstolerantere Sorten und angepasste Bewässerungsstrategien im Anbau stärker verbreitet werden.

Die detaillierten Preisentwicklungen sind in der Datenbank GENESIS-Online des Statistischen Bundesamts abrufbar, dort unter den Tabellen 61111-0004 und 61111-0006 für den Verbraucherpreisindex sowie 61211-0001 bis 61211-0003 für den Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte. Die Versorgungsbilanzen zur Kartoffel veröffentlicht die BLE über das Statistikportal des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Quellen

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