Adventszeit auf dem Bauernhof: Höfe bereiten sich auf Wintergäste vor

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Die Nachfrage nach ländlichen Urlaubsangeboten hält auch im Winter an. Während die Sommersaison auf vielen Höfen längst ausgebucht ist, richten Betriebe in ganz Deutschland jetzt den Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit. Vom Hofladen mit regionalen Geschenkideen bis zum Wochenendaufenthalt zwischen Weihnachten und Neujahr: Landwirtschaftliche Betriebe mit Ferienwohnungen und Erlebnisangeboten melden eine stabile bis wachsende Nachfrage für die kalte Jahreszeit.

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) hatte für 2026 einen Rekord bei Übernachtungen im Deutschlandtourismus erwartet; im ersten Quartal lagen die Zahlen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes über dem Vorjahr. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich der Trend zu kürzeren, häufigeren Auszeiten im Inland auch in der Wintersaison fortsetzt. Für Bauernhöfe mit touristischem Angebot bedeutet das: Wer frühzeitig buchbar ist und seine Kapazitäten transparent kommuniziert, kann von der späten Saison profitieren.

Hinzu kommt ein struktureller Effekt: Die Zahl der Ferienunterkünfte auf Bauernhöfen ist in den vergangenen Jahren gestiegen, zugleich hat sich die Ausstattung vieler Betriebe professionalisiert. Was früher vor allem ein Zusatzgeschäft für die warmen Monate war, wird zunehmend ganzjährig geplant – mit entsprechenden Investitionen in Heizung, Isolierung und wintertaugliche Freizeitangebote.

Adventsprogramm als Zusatzangebot

Viele Höfe setzen in den Wochen vor Weihnachten auf zusätzliche Angebote. Dazu zählen nach Angaben von Landwirtschaftskammern und regionalen Tourismusverbänden unter anderem weihnachtlich geschmückte Hofläden mit Produkten aus eigener Erzeugung, Mitmach-Angebote wie Kranzbinden oder Plätzchenbacken sowie kleine Weihnachtsmärkte auf dem Hofgelände. In Niedersachsen verzeichnet das Tourismusnetzwerk in seinen Marktdaten-Booklets für die Wintersaison regelmäßig eine Nachfragebelebung in der Vorweihnachtszeit, von der auch ländliche Unterkünfte profitieren.

Anders als im Sommer, wenn Familien oft eine volle Woche bleiben, dominieren in der Adventszeit Kurzaufenthalte von zwei bis vier Nächten. Entsprechend passen Betriebe ihre Buchungsmodelle an: flexible Anreisetage, Wochenendpakete und die Kombination aus Übernachtung und Hofbesuch stehen im Vordergrund. Auch die Zeit zwischen den Feiertagen wird zunehmend genutzt – Gäste, die den Trubel der Großstädte hinter sich lassen wollen, suchen nach ruhigen Alternativen auf dem Land.

Für die Gäste zählt dabei häufig weniger das klassische Sightseeing als vielmehr die Atmosphäre: Stallrundgänge am Morgen, Fütterung der Tiere, gemeinsames Backen in der Hofküche oder Spaziergänge durch die winterliche Feldflur. Betriebe, die solche Erlebnisse gezielt beschreiben und mit Terminen versehen, schaffen nach Einschätzung von Marketingfachleuten der Agrarbranche einen klaren Mehrwert gegenüber anonymen Ferienwohnungen.

Auch die regionale Vernetzung gewinnt in der Nebensaison an Gewicht. Gemeinsame Vermarktung mehrerer Höfe, Kooperationen mit Gastronomen und Wanderweg-Betreibern sowie die Einbindung in regionale Adventskalender erhöhen die Sichtbarkeit. In mehreren Bundesländern fördern Landwirtschaftskammern und Tourismusorganisationen solche Zusammenschlüsse gezielt, weil einzelne Betriebe allein kaum ausreichend Reichweite aufbauen können.

Was Höfe jetzt beachten sollten

Für Betriebe, die noch Kapazitäten für die Adventszeit frei haben, empfehlen Fachverbände eine zeitnahe Aktualisierung der Online-Präsenz. Dazu gehört nach Angaben von Tourismusmarketing-Organisationen vor allem: aktuelle Fotos der winterlichen Hofatmosphäre, klare Angaben zu Belegung und Preisen sowie Hinweise auf barrierearme Angebote, da die Gästestruktur in der kalten Saison älter und vielfältiger ist als im Sommer. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Weihnachtsmärkten und Veranstaltern kann zusätzliche Gästeströme auf den Hof lenken.

Wetterbedingte Ausfälle spielen im Winter eine größere Rolle als in der Hauptsaison. Betriebe, die flexible Stornierungsbedingungen oder alternative Termine anbieten, senken das wahrgenommene Risiko für Gäste und erhöhen die Buchungsbereitschaft. Zugleich raten Branchenvertreter dazu, die Nebensaison nicht als Lückenfüller zu behandeln, sondern als eigenständiges Angebot mit klarer Profilierung – etwa über Tiererlebnisse im Stall, die auch bei Kälte möglich sind.

Praktisch relevant ist zudem die Frage der Erreichbarkeit: Schnee und Glatteis können ländliche Wege zeitweise unpassierbar machen. Höfe, die ihre Gäste frühzeitig über Anreisehinweise, Winterdienst und mögliche Einschränkungen informieren, vermeiden Unzufriedenheit vor Ort. Auch die Kommunikation von Ausweichterminen oder Gutscheinlösungen für den Fall von Absagen gehört nach Darstellung von Beratungsstellen zum professionellen Umgang mit der Wintersaison.

Ein weiterer Punkt betrifft die Preisgestaltung. Während in den Sommermonaten Wochenpreise üblich sind, kalkulieren viele Betriebe in der Adventszeit mit Tages- und Wochenendpreisen. Transparente Staffelungen – etwa für den zweiten Advent oder die Tage zwischen den Feiertagen – erleichtern Gästen die Entscheidung und helfen den Höfen, ihre Auslastung zu steuern.

Ausblick auf die kommende Saison

Ob sich der Zuspruch der Vorweihnachtszeit in eine durchgängig starke Wintersaison übersetzt, hängt nach Einschätzung von Marktbeobachtern von mehreren Faktoren ab: der Witterung, der Entwicklung der Reisekosten und der Frage, ob Gäste ihre Urlaubsbudgets weiter auf mehrere kürzere Reisen verteilen. Fest steht: Die Nachfrage nach authentischen ländlichen Erlebnissen ist auch im Winter vorhanden. Höfe, die ihre Angebote saisonal anpassen und frühzeitig kommunizieren, haben gute Chancen, die stille Zeit zwischen den Jahren für sich zu nutzen.

Langfristig könnte die Winterauslastung für viele Betriebe an Bedeutung gewinnen: Wer ganzjährig Einnahmen erzielt, kann Investitionen in Stall, Ferienwohnungen und Hofladen besser refinanzieren und ist weniger abhängig von den wenigen Wochen der Sommerhochsaison. Die Adventszeit 2026 wird damit für viele Höfe auch ein Testlauf dafür, wie gut ihr ganzjähriges Konzept trägt.

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