Herbstreise-Nachfrage 2026: Bauernhöfe spüren vorsichtigere Planung der Gäste

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Die Deutschen planen für den Herbst 2026 weniger Urlaubsreisen als noch vor einem Jahr. Nach dem aktuellen Urlaubsplanungsindex (UPI) des Deutschen Instituts für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste und des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) gaben Ende August 2026 nur noch 55 Prozent der Befragten an, mindestens eine Reise mit Übernachtung für die Monate September bis November vorzubereiten. Im Vorjahr lag dieser Anteil bei 61 Prozent. Für die Betriebe im Landtourismus, darunter viele Bauernhöfe mit Ferienwohnungen und Erlebnisangeboten, bedeutet das: Die Buchungen kommen später, die Gäste reagieren sensibler auf Preise, und die kurzfristige Planung gewinnt weiter an Bedeutung.

Herbstindex sinkt auf 81 Punkte

Der UPI-Gesamtindex für Herbst 2026 liegt bei 81 Punkten. Herbst 2025 bildet mit 100 Punkten die Referenz. Der Rückgang betrifft alle untersuchten Generationen: Bei der Generation Z sank der Anteil der Reiseplanenden von 64 auf 51 Prozent, bei der Generation Y von 63 auf 56 Prozent. Auch die Generation X (59 statt 62 Prozent) und die Babyboomer (54 statt 57 Prozent) zeigen sich zurückhaltender. Der Inlandsindex liegt bei 80 Punkten, der Auslandsindex bei 83 Punkten. Institutsdirektor Bernd Eisenstein wertet den niedrigeren Wert als Ausdruck allgemeiner Verunsicherung. „Das heißt allerdings nicht unbedingt, dass auf Urlaub verzichtet wird, sondern es wird vorsichtiger geplant und auch später entschieden“, sagte er. Die Orientierung am Preis und die Suche nach kurzfristigen und stornierbaren Buchungsmöglichkeiten würden zunehmen.

Landtourismus: kurzfristiges Buchungsverhalten setzt sich fort

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland e.V. (BAG) hat in ihrer Marktsituation 2023 bereits festgestellt, dass die Hälfte der Gastgeber das Buchungsverhalten als kurzfristiger erlebt. Das Interesse an Urlaub auf dem Bauernhof und auf dem Land ist seit der Pandemie 2020 gestiegen; die Betriebe generieren jährlich rund 16 Millionen Übernachtungen. Die durchschnittliche Belegung liegt bei 161 bis 190 Tagen im Jahr. Zwei Drittel der Betriebe beziehen bis zu 50 Prozent ihres Gesamtumsatzes aus dem Tourismus. Die kleinteilige Struktur der Branche – im Schnitt 22 Betten pro Betrieb, 80 Prozent der Vermieter mit maximal fünf Ferienwohnungen – macht die Anbieter gleichzeitig flexibel und verletzlich: Späte Buchungen sind willkommen, aber schwer kalkulierbar.

Reiseausgaben bleiben hoch, aber Gäste vergleichen genauer

Die Reiseanalyse 2025 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) zeigt, dass die Deutschen im Jahr 2024 über 56 Millionen Urlaubsreisen unternommen haben – ein Rekordwert. Die Gesamtausgaben stiegen auf 90,1 Milliarden Euro. Pro Person und Reise wurden durchschnittlich 1.319 Euro ausgegeben, nahezu auf Vorjahresniveau. Auch für 2025 zeichnete die FUR ein positives Bild: 75 Prozent der Bevölkerung planten eine sichere Reise. Doch die aktuelle Herbst-Umfrage des DTV und des Deutschen Instituts für Tourismusforschung signalisiert eine Trendwende: Die allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung drückt auf die Planungsbereitschaft. Für Bauernhöfe, die häufig in Regionen mit geringer touristischer Infrastruktur liegen, kann das ein Vorteil sein – denn kurze Anfahrten, flexible Unterkünfte und direkter Kontakt zum Anbieter sind genau die Attribute, die Gäste in unsicheren Zeiten suchen.

Erlebnisangebote als Stabilisator

Während die klassische Übernachtungsnachfrage schwankt, zeigen die Erlebnisangebote auf den Höfen eine robustere Entwicklung. Die BAG-Factsheets verweisen darauf, dass die Hälfte der landtouristischen Betriebe im Haupterwerb einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet und über 50 Prozent einen rechtlichen Gewerbebetrieb für die Vermietung gegründet haben. Die Diversifizierung in Richtung Veranstaltungen, Hofläden und saisonale Attraktionen wie Kürbismärkte, Maislabyrinthe und Erntefeste schafft zusätzliche Einnahmequellen, die weniger von der klassischen Urlaubsplanung abhängen. Im Herbst 2026 erreichen diese Angebote ihren Saisonhöhepunkt; sie ziehen Tagesgäste an, die nicht zwingend über Nacht bleiben, aber Umsatz und Sichtbarkeit für den Hof generieren.

Regionale Unterschiede prägen das Bild

Die Reiseanalyse 2025 dokumentiert zudem deutliche regionale Unterschiede im Inlandstourismus: Schleswig-Holstein verdrängte Bayern erstmals von der Spitze des Bundesländerrankings; Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Baden-Württemberg folgten. Für den Landtourismus sind diese Verschiebungen relevant, weil sie zeigen, dass Gäste zunehmend auch weniger frequentierte Regionen entdecken. Bauernhöfe in strukturschwächeren Gegenden können davon profitieren, wenn sie ihre Angebote gezielt an die Wünsche der Kurzentschlossenen anpassen – etwa durch tagesaktuelle Verfügbarkeitsanzeigen, transparente Preise und die Möglichkeit, auch nur zwei oder drei Nächte zu buchen.

Energiekosten und Investitionsbedarf bleiben Herausforderungen

Die BAG-Marktsituation 2023 verweist auf weitere strukturelle Belastungen: Zwei Drittel der Betriebe gaben an, dass die Energiekosten in der Beherbergung um 20 Prozent gegenüber 2021 gestiegen sind. Die überwiegende Mehrheit plante Preisanpassungen bei den Übernachtungspreisen um bis zu 15 Prozent. Gleichzeitig wollen zwei Drittel der Betriebe in den kommenden Jahren investieren – vor allem in Modernisierung und Qualitätssteigerung. Diese Investitionsbereitschaft ist angesichts der gestiegenen Kosten und des veränderten Buchungsverhaltens bemerkenswert; sie zeigt, dass die Betriebe langfristig an den Landtourismus glauben, auch wenn die kurzfristige Planung schwieriger geworden ist.

Was die Entwicklung für die kommenden Monate bedeutet

Die Datenlage deutet nicht auf einen Einbruch, sondern auf eine Verzögerung hin. Die FUR-Reiseanalyse dokumentiert seit über fünf Jahrzehnten das Reiseverhalten der Deutschen; sie zeigt, dass die Reiselust ungebrochen ist, aber die Entscheidungswege sich verändern. Online-Buchungen dominierten bereits 2024 mit 54 Prozent, der persönliche Kontakt verlor weiter an Bedeutung. Für Bauernhöfe bedeutet das, dass eine zeitnahe digitale Präsenz und flexible Stornobedingungen an Bedeutung gewinnen. Die Branche steht vor der Aufgabe, die kurzfristige Nachfrage bedienen zu können, ohne die langfristige Planungssicherheit zu verlieren.

Quellen

  • Deutsches Institut für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste / Deutscher Tourismusverband e.V. (DTV): Urlaubsplanungsindex Herbst 2026, Befragung vom 24. September 2026
  • Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland e.V. (BAG): Marktsituation im Landtourismus 2023
  • Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR): Reiseanalyse 2025, erste Ergebnisse

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