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Erntebilanz 2026: Getreide minus 7,3 Prozent – Trockenheit hinterlässt Spuren
Die deutsche Getreideernte 2026 wird voraussichtlich auf 37,4 Millionen Tonnen (ohne Körnermais) kommen. Das ist ein Minus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 2,1 Prozent weniger als das Mittel der Jahre 2020 bis 2025. Das geht aus der aktuellen Ernteermittlung des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Als Hauptgrund nennt der Erntebericht 2026 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ein besonders trockenes Frühjahr, gefolgt von wiederholten Hitzewellen im Sommer.
Die Hektarerträge lagen nach Angaben des BMLEH bei 69,1 Dezitonnen pro Hektar – 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert und annähernd auf dem Niveau des Mittels der Jahre 2020 bis 2025 (+0,4 Prozent). Die Ernte habe früher als üblich begonnen und sei vielerorts unter höherem Zeitdruck verlaufen, weil unterschiedliche Kulturen durch die hohen Temperaturen gleichzeitig gedroschen werden mussten. Teilweise wurde zusätzlich beregnet, was in der ohnehin eng getakteten Erntezeit eine weitere Belastung bedeutet habe.
Winterweizen fällt unter Vorjahresniveau
Die wichtigste Getreidekultur in Deutschland bleibt der Winterweizen. Nach der BMLEH-Schätzung erreicht er 2026 eine Erntemenge von 20,2 Millionen Tonnen. Der Hektarertrag von 72,7 Dezitonnen liegt acht Prozent unter dem Vorjahr und 4,1 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025. Die Anbaufläche sank gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent auf 2,78 Millionen Hektar. Den Rohproteingehalt beziffert das BMLEH nach ersten Analysen auf im Mittel 12,3 Prozent und damit auf Vorjahresniveau; regional reicht die Spanne von 14,0 Prozent in Thüringen bis 11,0 Prozent in Nordrhein-Westfalen.
Bei der Wintergerste zeigt die Entwicklung dagegen nach oben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beträgt die vorläufige Erntemenge 9,8 Millionen Tonnen, 3,1 Prozent mehr als 2025 (9,5 Millionen Tonnen). Die Anbaufläche wurde laut BMLEH auf 1,26 Millionen Hektar gesteigert, die Hektarerträge lagen 6,9 Prozent über dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025. Roggen und Wintermenggetreide werden mit voraussichtlich 2,9 Millionen Tonnen eingefahren, 162.500 Tonnen weniger als 2025; bei Triticale rechnen die Statistiker mit 1,6 Millionen Tonnen, ein Minus von 10,2 Prozent.
Raps, Kartoffeln und Futtermittel unter Druck
Die Winterrapsernte 2026 wird sowohl vom Statistischen Bundesamt als auch im Erntebericht auf rund 3,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind nach Destatis-Berechnung 11,9 Prozent beziehungsweise 473.500 Tonnen weniger als im Vorjahr. Der Hektarertrag liegt nach BMLEH-Angaben bei 31,2 Dezitonnen pro Hektar, 13,8 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2020 bis 2025; der durchschnittliche Ölgehalt beträgt nach ersten Analysen 43,5 Prozent. Die größten Anbauflächen liegen in Mecklenburg-Vorpommern (193.100 Hektar), Sachsen-Anhalt (127.700 Hektar) und Bayern (119.600 Hektar).
Bei Kartoffeln erwartet das Statistische Bundesamt eine Ernte von 10,4 Millionen Tonnen, 24,8 Prozent weniger als im Erntejahr 2025. Der Hektarertrag liegt demnach bei 388,7 Dezitonnen, die Anbaufläche wurde auf 268.300 Hektar verkleinert – 33.500 Hektar beziehungsweise 11,1 Prozent weniger als 2025. Im Erntebericht heißt es, ein verspäteter Saisonstart infolge der Februarniederschläge sowie spätere Hitze- und Dürreperioden im Frühsommer hätten die Vegetationsperiode geprägt.
Deutliche Einbußen erwarten die Fachleute des BMLEH auch im Futterbau: Ab Juni hätten Hitze und Trockenheit den Grünlandbeständen zugesetzt, die Beweidung sei regional häufig nicht mehr möglich gewesen. Bei der noch anstehenden Silomaisernte sei mit deutlichen Ertragseinbußen zu rechnen – insbesondere im Süden und Südwesten, wo teilweise erhebliche Ertragsverluste bei Futtermitteln erwartet würden. Die amtliche Statistik zur Grünlandernte 2026 wird nach Angaben des Ministeriums erst im Januar 2027 veröffentlicht.
Obstbau mit geteilter Bilanz
Im Obstbau fällt die Bilanz uneinheitlich aus. Das BMLEH erwartet eine unterdurchschnittliche Apfelernte von 934.000 Tonnen bei einem durchschnittlichen Ertrag von 28,6 Tonnen pro Hektar – fast 18 Prozent unter dem Vorjahr und rund fünf Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt (2016 bis 2025). Pflaumen und Zwetschgen liegen dagegen mit einer Erntemenge von schätzungsweise 49.300 Tonnen um 11 Prozent über dem Zehnjahresmittel; auch für die Kirschenernte wird mit 49.300 Tonnen ein um neun Prozent besseres Ergebnis erwartet.
Im Hopfenbau nahm die Anbaufläche im dritten Jahr in Folge ab, gegenüber dem Vorjahr um gut 1.100 Hektar auf knapp 17.900 Hektar. Nach einer ersten Schätzung des Verbandes deutscher Hopfenpflanzer vom 25. August 2026 könnte die Hopfenernte rund 33.800 Tonnen betragen, etwa 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Weinbau blickt nach BMLEH-Angaben auf eine trockene Vegetationsperiode zurück; das schmälere die Erntemenge, lasse aber auf gesunde Trauben und damit gute Weinqualität hoffen.
Das BMLEH verweist in seiner Bilanz auf die Resilienz der Ernten: Aussagekräftige Lagebilder, erstellt unter anderem mit dem Deutschen Wetterdienst sowie den Ressortforschungseinrichtungen Julius Kühn-Institut und Thünen-Institut, sollten den Betrieben Planungssicherheit trotz zunehmender klimabedingter Risiken geben. Bundesminister Alois Rainer hatte den Erntebericht am 2. September in Berlin als erste vorläufige Bilanz der Raps- und Getreideernte vorgestellt.
Positiv entwickelt hat sich dagegen der Anbau von Hülsenfrüchten: Die Fläche wuchs nach BMLEH-Angaben erneut auf über 326.000 Hektar, ein Plus von neun Prozent zum Vorjahr. Den größten Flächenanteil hat die Felderbse mit 145.400 Hektar, gefolgt von der Ackerbohne mit 69.000 Hektar, den Süßlupinen mit 25.500 Hektar und der Sojabohne, deren Fläche um 21 Prozent auf 52.300 Hektar gesteigert wurde.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Ernte Getreide und Kartoffeln 2026 – 37,4 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais) und 10,4 Millionen Tonnen Kartoffeln erwartet
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): Erntebericht 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 168 – Getreideanbaufläche 2026



