Herbstaussaat 2026/27: Wintergerste-Fläche im Aufwärtstrend

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Die Herbstaussaat für die Ernte 2027 läuft auf Deutschlands Äckern derzeit auf Hochtouren. Im Fokus steht dabei erneut die Wintergerste: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hatten die landwirtschaftlichen Betriebe bereits für die Erntesaison 2026 rund 1,3 Millionen Hektar mit Wintergerste bestellt – ein Plus von 58.700 Hektar beziehungsweise 4,9 Prozent gegenüber der Anbaufläche 2025. Damit setzt die zweitwichtigste Wintergetreideart ihren Flächenzuwachs fort, während das Wintergetreide insgesamt mit 5,0 Millionen Hektar nahezu auf Vorjahresniveau bleibt.

Wie Destatis in seiner Meldung zur Herbstaussaat mitteilte, entfielen auf Winterweizen zuletzt 2,9 Millionen Hektar und damit knapp 60 Prozent der Wintergetreidefläche. Roggen und Wintermenggetreide kamen auf 528.100 Hektar, Triticale auf 294.500 Hektar. Insgesamt stagniere die Wintergetreidefläche mit einem leichten Plus von 63.800 Hektar beziehungsweise 1,3 Prozent weitgehend, hieß es aus Wiesbaden. Das Gesamtgetreide – Winter- und Sommergetreide zusammen – kam 2026 laut den Schätzungen der Behörde auf 6,03 Millionen Hektar und damit 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wintergerste wird in Deutschland überwiegend als Futtergetreide genutzt; ein kleinerer Teil geht als Braugerste in die Malzindustrie. Die Art gilt als die früheste unter den Wintergetreiden: Sie schießt im Frühjahr vor dem Weizen ins Kraut und wird in der Regel als erste Getreideart des Jahres gedroschen. Genau diese zeitliche Staffelung macht sie für die Betriebsplanung interessant.

Warum Wintergerste im Anbauranking zulegt

Für die Ausweitung der Wintergerstenfläche nennen Fachleute mehrere Gründe. Die frühe Erntereife – Wintergerste ist regelmäßig die erste Getreideart, die im Frühsommer gedroschen wird – schafft zeitlichen Spielraum für die anschließende Aussaat von Zwischenfrüchten oder Winterraps. Zudem gilt die Art als anspruchsloser im Wasserhaushalt als Winterweizen, was sie auf leichteren Standorten und in trockengeprägten Regionen attraktiv macht.

Die Erntebilanz des laufenden Jahres hatte laut Destatis gezeigt, dass die Gesamtgetreideernte 2026 um 7,3 Prozent hinter dem Vorjahr zurückblieb; die Trockenheit in Teilen des Frühjahrs und Frühsommers hinterließ vor allem bei Sommergetreide Spuren. Wintergerste erwies sich dabei als vergleichsweise robust. Marktbeobachter der Raiffeisen-Genossenschaften verwiesen zudem auf eine stabile Nachfrage der Futtermittelwirtschaft als Preisstütze für Futtergerste. In Regionen mit hoher Viehdichte – etwa in Niedersachsen und Bayern – ist die betriebseigene Futterbasis ein zusätzliches Argument für den Anbau.

Auch züchterisch hat sich die Art weiterentwickelt: Neuere Sorten versprechen eine bessere Halmstabilität und Resistenzen gegen wichtige Blattkrankheiten wie Rhynchosporium und Zwergrost. Hinzu kommt, dass Wintergerste in vielen Fruchtfolgen als Vorrückfrucht für Winterraps dient – eine Kombination, die angesichts der zuletzt ebenfalls gewachsenen Rapsfläche von 1,14 Millionen Hektar (+4,9 Prozent) zusätzliche logistische Vorteile bietet, weil die Rapsaussaat bereits im August auf frei werdende Flächen folgen kann.

Aussaatfenster und Witterung entscheiden

Das empfohlene Aussaatfenster für Wintergerste schließt früher als beim Weizen: In der Regel gilt der Zeitraum von Mitte September bis Anfang Oktober als günstig, wie die Landwirtschaftskammern in ihren Anbauempfehlungen ausführen. Früh gesäte Bestände entwickeln sich vor dem Winter kräftiger und stocken noch im Herbst, sind jedoch anfälliger für Virusüberträger wie Blattläuse, die die Gelbverzwergungsvirose einschleppen können – ein Zielkonflikt, den die Betriebe je nach Region und Witterungsverlauf abwägen müssen. Als erste Maßnahme gegen Blattläuse gilt deshalb vielfach eine eher späte Saat.

Die Bodenfeuchte stellte sich im Herbst 2026 regional unterschiedlich dar: Während der Norden und Osten nach einem weitgehend durchwachsenen Spätsommer befahrbare Flächen meldeten, verzögerten örtliche Niederschläge im Süden zeitweise die Feldarbeiten. Nach den Erfahrungen des trockenen Vorjahres legen viele Betriebe zudem Wert auf eine flache, wasserschonende Bodenbearbeitung vor der Drillung, um die im Boden verbliebene Restfeuchte für die Keimung zu nutzen.

Bei der Saatstärke orientieren sich die Beratungsempfehlungen an Saattermin und Standort: Frühe Termine kommen mit geringeren Bestandesdichten aus, weil die Pflanzen mehr Zeit zur Bestockung haben; spätere Termine erfordern höhere Saatmengen, damit die Bestände vor dem Winter ausreichend dicht stehen. Die Keimung selbst verläuft bei ausreichender Bodenfeuchte auch bei kühler werdenden Temperaturen weitgehend zuverlässig – anders als beim Raps, der nach dem kalten, nassen Frühjahr mancherorts unter Rapserdfloh-Druck gelitten hatte.

Ausblick auf die Ernte 2027

Verbindliche Zahlen zur tatsächlich eingesäten Fläche für die Erntesaison 2027 wird Destatis – wie in den Vorjahren – im Dezember veröffentlichen. Die Behörde weist darauf hin, dass ihre Schätzungen auf den Mitteilungen freiwilliger Ernte- und Betriebsberichterstatter beruhen und als vorläufige Anbautendenzen zu werten sind. Bis zur Ernte können Witterung, Schädlings- und Krankheitsdruck die Entwicklung noch deutlich verändern.

Für die Betriebe bleibt die Fruchtfolgegestaltung ein Abwägungsprozess: Die Konkurrenz um Ackerfläche zwischen Wintergerste, Winterraps und den weiter expandierenden Hülsenfrüchten wird den Anbauplan des kommenden Jahres prägen. Destatis hatte für 2026 bei Erbsen zur Körnergewinnung einen Anstieg um 6,6 Prozent auf 147.400 Hektar und bei Sojabohnen ein Plus von 17,8 Prozent auf 51.000 Hektar verzeichnet – Bewegung also nicht nur in den klassischen Getreidearten. Ein vollständigeres Bild zur Bodennutzung 2027 wird Destatis im Frühsommer 2027 vorlegen.

Ob sich der Aufwärtstrend bei der Wintergerste im dritten Jahr in Folge fortsetzt, hängt letztlich auch vom weiteren Preisverhältnis zu Weizen und Raps ab. Entscheidend für die Ernte 2027 werden ohnehin die Monate März bis Juni sein: Schlagkraft und Kornfüllung reagieren bei Gerste besonders empfindlich auf Hitzephasen zur Ährenschiebezeit. Bis dahin bleibt den Beständen zunächst der Winter – mit offener Frage nach Frosthärte und möglichen Ersatzsaaten im Frühjahr.

Quellen

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