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Erlebnishof im Herbst: Kürbiszeit und Maislabyrinthe erreichen Saisonhöhepunkt
Herbstferien auf dem Land: Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland melden in diesen Tagen erhöhten Besucherandrang. Kürbisausstellungen, Maislabyrinthe und Hofläden erleben ihre wichtigste Saisonzeit – für viele Höfe ist das Geschäft mit den Gästen längst ein fester Erwerbszweig neben der Produktion. Branchenbeobachter sehen darin eine Entwicklung, die den ländlichen Raum als Ausflugsziel nachhaltig stärkt.
Mit Beginn der Herbstferien in den meisten Bundesländern sind die großen Erlebnishöfe des Landes wieder Anlaufpunkt für Familien. Das Blühende Barock in Ludwigsburg meldet die diesjährige Kürbisausstellung als Publikumsmagneten: Unter dem Motto „Let's Play“ sind nach Angaben des Veranstalters bis zum 1. November tausende Kürbisse als Figuren und Skulpturen zu sehen, ergänzt um Veranstaltungen wie ein Schnitzfestival, ein Wiegen der größten Exemplare und kulinarische Angebote rund um das Herbstgemüse. Die Ausstellung gilt den Betreibern zufolge als die größte ihrer Art weltweit und läuft seit Ende August.
Auch jenseits der Großveranstaltungen zieht es Gäste aufs Land. Das Verzeichnis maislabyrinthe.de listet für die Saison 2026 knapp 200 Maislabyrinthe in Deutschland, die meisten davon auf bewirtschafteten Höfen. Die Angebote reichen von einfachen Irrwegen mit Quizstationen bis zu Labyrinthen von der Größe mehrerer Fußballfelder mit Aussichtsplattformen, Maisbädern und Hofcafés. Viele Betreiber kombinieren das Labyrinth mit weiteren Angeboten – von der Strohhüpfburg über Streichelgehege bis zum Hofladen. Die Bandbreite zeigt: Das Geschäftsmodell ist längst aus dem Stadium der Nachbarschaftsidee herausgewachsen und wird professionell betrieben, mit festen Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und saisonalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wetter als Geschäftsrisiko
Die Saison 2026 zeigt jedoch auch, wie abhängig das Geschäftsmodell vom Wetter ist. Wie aus dem Verzeichnis der Maislabyrinth-Betreiber hervorgeht, mussten mehrere Anlagen ihre Saison wegen anhaltender Trockenheit vorzeitig beenden – darunter ein Hof in Baden-Württemberg, der bereits Mitte August schließen musste. Andere Betreiber räumten Rabatte ein, weil der Mais wegen des trockenen Sommers nicht die übliche Höhe erreicht hatte und die Wege damit an Verwirrungscharakter verloren. Für Höfe, deren Eintrittseinnahmen von der Vegetationsentwicklung abhängen, sei das ein wachsendes kalkulatorisches Risiko, heißt es von Betreiberseite. Versicherungslösungen für dieses spezifische Risiko sind bislang kaum verbreitet.
Hofladen und Erlebnis als Doppelstrategie
Die Verbindung von Gastronomie, Erlebnisangebot und Direktverkauf ist dabei kein Zufall. Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) achten 77 Prozent der Befragten beim Lebensmitteleinkauf darauf, dass Produkte aus ihrer Region kommen – ein Wert, den der Ernährungsreport 2025 erstmals zugleich nach Wohnortgröße aufschlüsselt. Verbraucher aus kleineren Orten gaben demnach häufiger an, täglich zu kochen und auf regionale Herkunft zu achten als Bewohner großer Städte. Für Hofläden, die ihre Besucher zugleich als Kundschaft gewinnen, ist das ein struktureller Rückenwind.
Hinzu kommt: 41 Prozent der Befragten des Ernährungsreports erklärten, „Offenheit und Transparenz“ eines landwirtschaftlichen Betriebs sei ihnen wichtig. Hofbesichtigungen, Erlebnisangebote und der direkte Kontakt zwischen Erzeuger und Kunde gelten Fachleuten als die praktische Antwort auf diese Erwartung – und als Erklärung dafür, warum gerade Betriebe mit Erlebnisangebot ihre Hofladenumsätze stabilisieren können. Wer einmal im Maislabyrinth gesteckt und anschließend im Hofladen eingekauft hat, kommt nach dieser Lesart eher wieder als ein Kunde, der nur an der Theke vorbeikommt.
Zusatzeinkommen statt Nebenerwerb
Für die Betriebe selbst ist das Gästegeschäft längst mehr als ein Beiwerk. Betreiber großer Maislabyrinthe berichten von Eintrittseinnahmen in fünfstelliger Höhe pro Saison, dazu kommen Umsätze aus Gastronomie und Verkauf. Kleinere Höfe setzen auf Vertrauenskassen und kombinieren das Angebot mit dem Hofladen. Die saisonale Konzentration auf die Herbstmonate macht die Planung dabei anspruchsvoll: Die meisten Maislabyrinthe schließen Ende Oktober oder Anfang November, wenn die Ernte ansteht; Kürbisausstellungen laufen in der Regel ebenfalls nur bis Allerheiligen. Danach beginnt für die meisten Betriebe die ruhigere Jahreszeit – mit Weihnachtsbaumverkauf und Adventsmärkten als nächstem, deutlich kleinerem Höhepunkt.
Damit endet für viele Erlebnishöfe in diesen Tagen die umsatzstärkste Phase des Jahres. Die kommenden Tage bis zum Saisonende gelten den Betreibern als entscheidend – zumal die Herbsternte nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts in diesem Jahr mit regional deutlichen Ertragseinbußen durch die Trockenheit zu Buche schlägt. Das Geschäft mit den Gästen kann solche Ausfälle zumindest teilweise ausgleichen, so die Einschätzung von Betreibern und Branchenvertretern.
Ob sich das Modell flächendeckend trägt, bleibt eine offene Frage: Es setzt Bevölkerungsnähe, ein attraktives Umland und nicht zuletzt Arbeitskräfte voraus, die neben der eigentlichen Produktion verfügbar sind. Für Höfe in Ballungsnähe indes gilt das Geschäft mit den Herbstferien-Gästen inzwischen als feste Größe im Jahreskalkül – und als Beispiel dafür, wie Landwirtschaft und Tourismus einander verstärken können, ohne dass der eine den anderen verdrängt.
Quellen
- Blühendes Barock Ludwigsburg – Kürbisausstellung 2026
- BMLEH – Ernährungsreport 2025 „Deutschland, wie es isst“
- maislabyrinthe.de – Verzeichnis deutscher Maislabyrinthe, Saisonstand 2026
– Blühendes Barock Ludwigsburg – Kürbisausstellung 2026: https://www.blueba.de/de/veranstaltungen/kuerbisausstellung.html – BMLEH – Ernährungsreport 2025 „Deutschland, wie es isst“: https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2025.html – maislabyrinthe.de – Verzeichnis deutscher Maislabyrinthe, Saisonstand 2026: https://maislabyrinthe.de/land/deutschland/



